Wie die Chemie bis 2045 klimaneutral werden kann

v.l.n.r.: VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup; Michael Kellner, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz; Dieter Westerkamp, Direktor VDI. © VCI/Simone M. Neumann

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Die deutsche Chemieindustrie kann und will bis 2045 klimaneutral werden. Was dazu notwendig ist, hat die Branche zwei Jahre lang mit Experten erarbeitet. Drei Szenarien zeigen, wie es gehen kann.

Die chemisch-pharmazeutische Industrie kann und will in Deutschland bis 2045 klimaneutral werden. Welche Bedingungen dazu notwendig sind, hat die Branche zwei Jahre lang auf der Klimaschutzplattform „Chemistry4Climate“ mit Experten von knapp 80 Partnern aus der Industrie, Nicht-Regierungsorganisationen und der Politik erarbeitet. Das kondensierte Wissen soll jetzt im Austausch mit Politik und Gesellschaft den schnellstmöglichen Weg zu einer treibhausgasneutralen Chemie ebnen.

Die Plattform zeigt drei beispielhafte Szenarien für eine klimaneutrale Chemie 2045 auf. In allen muss durch verstärktes Recycling mehr Kohlenstoff im Kreislauf gehalten werden. Darüber hinaus benötigt eine klimaneutrale Chemie große Mengen Strom aus erneuerbaren Energien (bis zu 510 Terawattstunden/TWh), grünen Wasserstoff (bis zu 210 TWh), Biomasse (bis zu 28 Millionen Tonnen) und CO2 (bis zu 52 Millionen Tonnen) – je nach Szenario.

Die gemeinsame Überzeugung der Experten, die bei Chemistry4Climate zusammengearbeitet haben, ist: Damit diese Transformation gelingen kann, muss es einen massiv beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien sowie einen ambitionierten Wasserstoffhochlauf inklusive der jeweiligen Infrastruktur geben.

Sie kamen auch zu dem Schluss, dass der immense Strombedarf um bis zu 180 TWh gesenkt werden kann – das entspricht in etwa der gesamten deutschen Energieerzeugung aus Photovoltaik und Wind im Jahr 2022. Auch der Wasserstoffbedarf könnte halbiert und der Investitionsbedarf der Branche deutlich reduziert werden, wenn ihr Sekundärrohstoffe wie Biomasse oder Kunststoffabfälle bevorzugt zur Verfügung stehen. Auch die stoffliche Verwendung von CO2 müsse jetzt schnell und rechtssicher ermöglicht werden. Das Treibhausgas wird in Zukunft in der Chemie dringend als Rohstoff gebraucht. Für schnelle Sicherheit bei Investitionen in neue Technologien sei schon kurzfristig ein wettbewerbsfähiger Transformationsstrompreis für die Industrie nötig.

Gemeinsames Projekt von VCI und VDI

Ins Leben gerufen wurde die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz geförderte Initiative Chemistry4Climate gemeinsam vom Verband der Chemischen Industrie (VCI) und dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Der VDI engagiert sich seit Jahren im Rahmen seines Fokusthemas „1,5 Grad – Innovationen.Energie.Klima.“ für konkrete Schritte zur Verringerung von Treibhausgasemissionen. Dieter Westerkamp, Direktor VDI, betont: „Chemische Produkte sind die Basis für alle möglichen anderen Industrieerzeugnisse. Die Transformation der Industrie gelingt nicht ohne den fundamentalen Umbau der Chemieindustrie. Für neue klimaneutrale Prozesse und Anlagen können wir mit Technik-Know-how einen zentralen Beitrag leisten und haben unser Wissen gerne und intensiv bei Chemistry4Climate eingebracht.“

Wolfgang Große Entrup, VCI-Hauptgeschäftsführer, betont den hohen Wert der Plattformarbeit: „Der Totalumbau unserer energieintensiven Branche zur Klimaneutralität ist unglaublich komplex. Die Bedingungen, die für den Erfolg der Mammutaufgabe erfüllt werden müssen, liegen bei weitem nicht allein in unserer Hand. Das geballte Know-how aus Chemistry4Climate soll jetzt dazu beitragen, unser Land zu einem Vorbild für wettbewerbsfähige grüne Zukunftstechnologien zu machen.“

Die Ergebnisse und Schlussfolgerungen aus zwei Jahren Chemistry4Climate finden Sie hier.


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