Gewinner 2019


von links: Christian Hein (Director Corporate Energy & Climate Affairs) und Ulf Gehrckens (Senior Vice President Corporate Energy & Climate Affairs) zusammen mit dem VCI Nord-Vorstandsvorsitzenden Detlev Wösten

Responsible Care-Gewinner 2019:

Deutschlands größte CO2-Freie Heizung: Aurubis beheizt Hamburger HafenCity Ost

Die Aurubis AG aus Hamburg hat für ihr Projekt „Industriewärme“ den 1. Preis im Responsible Care-Wettbewerb des Verbands der Chemischen Industrie Landesverband Nord (VCI Nord) erhalten. Aurubis versorgt die östliche Hamburger HafenCity fast vollständig mit CO2-freier Industriewärme. Durch das Projekt werden jährlich 20.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid eingespart. Das entspricht den Emissionen von rund 10.000 Mittelklasse-PKW mit einer zurückgelegten Strecke von 12.000 Kilometern.

Möglich werden diese Einsparungen durch eine große Menge Industriewärme, die in einem von Aurubis‘ Kerngeschäftsfeldern, der Kupferraffination, entsteht. In aufwendigen Prozessen stellt das Unternehmen aus Kupferkonzentrat und Recyclingmaterialien reines Kupfer her. In einem Nebenprozess wird der Schwefel, der im Kupferkonzentrat enthalten ist, zu Schwefelsäure weiterverarbeitet. In diesem Prozess setzt eine exotherme chemische Reaktion Wärme frei. „Diese Industriewärme ist nahezu frei von CO2 und eignet sich deshalb hervorragend als urbane Wärmequelle für eine nachhaltige Energieversorgung,“ erklärt Ulf Gehrckens, Senior Vice President Corporate Energy & Climate Affairs bei dem Multimetall-Produzenten Aurubis.

Damit die HafenCity Ost diese urbane Wärmequelle nutzen kann, hat Aurubis auf seinem Werksgelände massiv umgebaut und den Produktionsprozess angepasst. Ab der Werksgrenze übernimmt der Energiedienstleister enercity die Wärme und versorgt damit die östliche Hamburger HafenCity. Hierfür haben beide Unternehmen eine 3,7 km lange Transportleitung bis zur Hamburger HafenCity verlegen lassen. Rund 25 Prozent der ausgekoppelten Industriewärme nutzt Aurubis intern und steigert damit die Energieeffizienz im Werk Hamburg noch weiter.

Die nutzbar gemachte Industriewärme entspricht 160 Millionen Kilowattstunden Wärme jährlich. Diese Menge kann 8.000 Vierpersonenhaushalte versorgen sowie rund 20.000 Tonnen CO2 und 12 Millionen Kubikmeter Kühlwasser einsparen. „Nach Schätzungen der Deutschen Energie-agentur beläuft sich das jährliche Energieeinsparpotential in Deutschland durch Nutzung von Industriewärme auf 37 Millionen Tonnen CO2 und fünf Milliarden Euro Energiekosten. Leider werden die CO2-Einsparungen in privaten Haushalten, die Unternehmen mit einem solchen Projekt erzielen, nur zu einem sehr geringen Teil im Rahmen des Zertifikatehandels anerkannt. Würde man dies in das System integrieren, wäre die Realisation von Projekten dieser Art für Industrieunternehmen deutlich interessanter – und das große Potenzial in Hamburg und in ande-ren deutschen Städten könnte schneller gehoben werden“, ist Gehrckens überzeugt.

Die Responsible Care-Jury um Detlev Wösten (VCI Nord Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer der H&R GmbH & Co. KGaA), Prof. Dr. Christian Busse (Professor für Nachhaltige Pro-duktionswirtschaft an der Universität Oldenburg) und Gerald Proß (Sekretär der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie Landesbezirk Nord) zeigte sich beeindruckt vom Engagement des Unternehmens: „Aurubis hat zur Wärmeversorgung der HafenCity Ost eine sehr nachhaltige Lieferkette aufgebaut, die sich durch eine transparente Herkunft und CO2-Neutralität auszeichnet.“


von links: Manfred Himmelbach (Leiter der Abteilung Logistik bei der AVISTA OIL AG) zusammen mit dem VCI Nord-Vorstandsvorsitzenden Detlev Wösten

Responsible Care-Gewinner 2019:

 

Reinigungsanlage für TKW reduziert Lärm, Emissionen und Ressourcenverbrauch

 

Die AVISTA OIL AG aus Uetze wurde für ihr Projekt „Tankinnenreinigungsanlage“ mit dem 2. Platz im Responsible Care-Wettbewerb des Verbands der Chemischen Industrie Landesverband Nord (VCI Nord) ausgezeichnet. Das Unternehmen überzeugte mit einer ressourcenschonenden Reinigungsanlage für Tankkraftwagen (TKW), die den Durchfahrtsverkehr in den angrenzenden Ortschaften um 40 Prozent reduziert.

Die neue Tankinnenreinigungsanlage (TRD) hat AVISTA OIL direkt neben ihrem Raffineriegelände in Kooperation mit zwei Logistikdienstleistern errichtet. 20 bis 30 eigene TKWs sowie von Kunden und externen Logistikunternehmen werden hier nun täglich gereinigt, um danach neu befüllt werden zu können. Dank der neuen Anlage können die TKW-Fahrer ihre Tanks nun direkt vor Ort reinigen und müssen nicht mehr in weiter entfernte Reinigungsanlagen fahren. Das reduziert den Durchfahrtsverkehr sowie die damit einhergehenden Abgase und Lärmbelästigungen in den anliegenden Ortschaften um 40 Prozent.

Doch nicht nur der reduzierte Verkehr, auch die einzelnen Reinigungsschritte selbst sind Teil der von AVISTA OIL aufgebauten nachhaltigen Lieferkette: Als erstes fängt der Altöl-Spezialist bei der TKW-Reinigung die Reste von Altöl aus den Tankfahrzeugen auf, was die Recyclingquote erhöht. Im nächsten Schritt werden die Innenwände mithilfe von Wasserdampf von Anhaftungen befreit. Das Besondere daran: Diese Dampferzeugung erfolgt mit dem Brennstoff F10, den das Unternehmen aus Altöl herstellt. Anders als in den bisher angesteuerten Tankreinigungsanlagen müssen deshalb keine Brennstoffe aus neuen fossilen Ressourcen, wie Heizöl oder Gas, eingesetzt werden. Schließlich wird der Tank noch unter hohem Druck mit heißem Wasser gespült und mit Reinigungsmitteln gesäubert. Sämtliche dabei anfallende Abwässer werden behandelt und einer Kläranlage zugeführt.

„Die neue Reinigungsanlage von AVISTA OIL zeigt eindrucksvoll, wie unternehmenseigenes Fachwissen genutzt werden kann, um die Prozesse von Lieferkettenpartnern nachhaltiger und gleichzeitig einfacher zu gestalten,“ lobt die Responsible Care-Jury um Detlev Wösten (VCI Nord Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer der H&R GmbH & Co. KGaA), Prof. Dr. Christian Busse (Professor für Nachhaltige Produktionswirtschaft an der Universität Oldenburg) und Gerald Proß (Sekretär der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie Landesbezirk Nord).