Zellfreie Herzklappen - eine Innovation aus Norddeutschland

Zellfreie Herzklappen machen schwerkranken Menschen Hoffnung

Zellfreie Herzklappen schenken schwerkranken Menschen Hoffnung

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Neuartige Herzklappen helfen schwerkranken Menschen - und ermöglichen betroffenen Frauen sogar, Kinder zu bekommen.

Wenn Annika Diefenbach ihre kleine Tochter Lena in den Armen hält, ist sie gleich doppelt glücklich und dankbar. Dass sie überhaupt Mutter werden konnte, ist alles andere als selbstverständlich. Denn die junge Frau leidet seit ihrer Geburt an einer Herzerkrankung - der sogenannten Fallot'schen Tetralogie. So wird eine angeborene Fehlbildung des Herzens bezeichnet, die aus vier Komponenten besteht: einer Verengung der Lungenarterie, einem Defekt in der Herzscheidewand, einer über der Herzscheidewand reitenden Hauptschlagader sowie einer Verdickung der rechten Herzkammer. Eine Schwangerschaft ist mit dieser Krankheit eigentlich unmöglich - zu groß ist die körperliche Belastung.

Ein neues Verfahren macht Betroffenen Hoffnung

Dass Annika Diefenbach trotzdem nicht auf Kinder verzichten muss, verdankt sie einem neuartigen Verfahren: dem Dezellularisieren von Herzklappen, entwickelt und umgesetzt von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der Firma corlife aus Hannover. Bei dieser biotechnologischen Methode werden gespendete menschliche Herzklappen vom Zellmaterial des Spenders befreit (dezellularisiert), so dass nur noch das zellfreie biologische Kollagengerüst übrig bleibt. Was ganz einfach klingt, ist in Wirklichkeit sehr aufwendig und dauert mehrere Wochen. Hinzu kommt: Es gibt kaum Automatisierung, jede Herzklappe hat ihre individuellen Besonderheiten, die bei der Dezellularisierung beachtet werden müssen.

Weniger Nebenwirkungen, bessere Verträglichkeit

Etwa 500 Gewebespenden wurden bisher auf diese Weise aufbereitet. Studien zeigen, dass das Verfahren eine nebenwirkungsärmere Alternative zu bisher verwendeten Herzklappenprothesen ist. Sie wirken für den Empfänger weniger als Fremdkörper. Und während bisherige Ersatzklappen irgendwann verschleißen, was eine erneute Operation nötig macht, wird die zellreie Herzklappe zur eigenen. Man kann sich das vorstellen wie ein leeres Haus, das neu bezogen wird. Allerdings: Die Wissenschaftler haben bei der Gewebespende mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie die Organspende - es gibt nicht genug, um den Bedarf zu decken. Deshalb muss immer noch bei vielen Patienten mit einem angeborenen Herzfehler auf eine künstliche Herzklappe oder tierisches Gewebe zurückgegriffen werden.

Annika Diefenbach hat Glück gehabt. Sie hat eine der zellfreien Herzklappen erhalten und konnte so Mutter werden. Aber sie ist nicht die einzige: Mittlerweile gibt es schon vier Frauen wie sie, einige haben schon das zweite Kind bekommen. Damit es zukünftig noch mehr werden und auch anderen Herzkranken geholfen werden kann, braucht es vor allem eins: mehr Mitmenschen, die sich für eine Gewebespende entscheiden.

Dieser Text ist die gekürzte Version eines Artikels aus der Zeitschrift "Moin - Medikamente oben im Norden 2". Den vollständigen Beitrag sowie viele weitere spannende Artikel finden Sie hier.

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