Investitionen: Schwächeres Wachstum in Deutschland

-

Investitionen sind ein Garant für die Wachstumspotenziale von Morgen. Die deutschen Chemie- und Pharmaunternehmen investieren sowohl in Sachanlagen als auch in Forschung und Entwicklung (FuE) – und dies nicht nur im Inland, sondern zunehmend auch im Ausland. Im Inland sehen sich die Unternehmen dabei mit etlichen Investitionshemmnissen konfrontiert – wie eine Umfrage des VCI ergab.

 Investitionen sind die Grundlage der Gewinne von morgen. Dies gilt auch für die kapitalintensive Chemie- und Pharmaindustrie in Deutschland. Mit den Investitionen erhöht die Branche nicht nur ihr eigenes Produktionspotenzial, sie macht den Standort Deutschland damit auch zukunftssicher.

Weltweit stiegen die Chemie- und Pharmainvestitionen seit 2010 dynamisch – insbesondere in den Schwellenländern und den USA. Auch am Standort Deutschland wird in Sachanlagen und FuE investiert – wenngleich die Dynamik geringer ausfällt.

Die Gründe für ein schwächeres Wachstum der Investitionen am Standort Deutschland sind das geringere Marktwachstum und der Strukturwandel von der Basischemie zur Fein- und Spezialchemie. Zudem verhindern hohe Energiekosten, Regulierungen im Baurecht, lange Genehmigungsverfahren und ein unflexibler Arbeitsmarkt höhere Investitionen am Standort. Dies belegt auch eine Umfrage des VCI.
Dagegen gewinnen Auslandsinvestitionen für Chemie- und Pharmaunternehmen an Bedeutung – nicht nur zur Markterschließung, sondern auch aus Kostengründen.

Norddeutschland keine Ausnahme

Zum gleichen Ergebnis kommt auch eine Umfrage, die das Institut der deutschen Wirtschaft im Sommer 2017 bei den Geschäftsführern in der Mitgliedschaft des VCI Nord und ChemieNord durchgeführt hat. Ziel war es, einen Überblick über die Art und den Umfang der Investitionen der letzten Jahre zu erhalten; aber auch die Bedeutung relevanter Standortfaktoren, wie das Innovationsumfeld, Humankapital, Energie und Rohstoffe, Infrastruktur sowie Verwaltung und Bürokratie zu bewerten.

Die Modernisierung der Produktionsanlagen sowie die Ausweitung der vorhandenen Produktionskapazitäten wurden als Hauptgründe für die getätigten Investitionen der letzten Jahre genannt. Bei der Frage nach den Megatrends, die zukünftig zu Investitionen führen könnten, lag die Digitalisierung klar vorn. Überraschend: Als bester Standort für Erweiterungsinvestitionen wurde das Ausland mit einer Schulnote von 2,4 bewertet – Schleswig-Holstein (SH) erhielt ebenfalls eine 2,4, Niedersachsen (NDS) eine 2,7 und Hamburg (HH) eine 2,9.

Bürokratie und Gesetze sind große Umsetzungshürden

Der Punkt Verwaltungsvorschriften und Bürokratie wurden für Norddeutschland mit einer Note von 3,5 bewertet (NDS: 3,8, HH: 4,1, SH: 4,3). Die Lösungsorientierte öffentliche Verwaltung wird dagegen etwas positiver gesehen: Hier liegt SH mit einer Bewertung von 3,1 vorn, gefolgt von NDS mit 3,3 und HH mit 3,5.

Grundsätzlich unterscheiden sich die drei Bundesländer nur marginal. Die Bewertungen der einzelnen Standortfaktoren liegen mehr oder weniger immer im Bereich „befriedigend“ – für einen Industriestandort wie Norddeutschland kein zufriedenstellendes Ergebnis. Mit den Vertretern der Wirtschafts- und Umweltministerien sind wir daher bereits im konkreten Austausch zu Themen wie Genehmigungsmanagement, Bürokratieabbau im Rahmen der Energiepolitik oder in der Pharmapolitik. Denn eines ist klar: Wir sollten uns vom Ausland nicht so einfach den Rang ablaufen lassen beim Wettbewerb um die besten Investitionsstandorte.

Publikationen