Zu Gast im Labor der Zukunft

7.9.2017 – Die Digitalisierung bewegt die Chemiebranche und damit auch die Sozialpartner IG BCE Nord, VCI Nord und ChemieNord. Denn den Prozess der zunehmenden Digitalisierung gemeinsam zu gestalten, wirft eine Reihe an Fragen auf. Zum Beispiel: Wie sieht das Labor der Zukunft aus, welche Technik könnte bald Standard sein und welche Rolle spielt dabei der Mensch? Antworten auf diese Fragen lieferte die jüngste Sozialpartnerveranstaltung, durchgeführt gemeinsam mit dem niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, im smartLab der Universität Hannover - einem vollfunktionsfähigen Musterlabor der Zukunft.

Und so sieht es aus: Beim Betreten des Labors fällt der erste Blick auf die Möbel. Ähnlich zu IKEAS Erfolgsrezept modularer Regale und Schränke besteht auch das Labor aus mehreren wabenförmigen Schränken – und die beherbergen so einige Finessen, wie etwa einen integrierten Kühlschrank oder einen Roboterarm. Anhand eines Use-Cases aus der Biotechnologie führten die Wissenschaftler den Teilnehmern den Einsatz von Datenbrillen vor, demonstrierten wie die einzelnen Laborgeräte miteinander kommunizieren und luden zum selbst Ausprobieren ein. „Hier bekommt Industrie 4.0 ein Gesicht zum Anfassen“, betonte Ralf Becker, Landesbezirksleiter IG BCE Nord.

Expertenvorträge und Workshops vertieften im Laufe der Veranstaltung einzelne Aspekte wie zum Beispiel notwendige Qualifikationen von Mitarbeitern sowie Arbeitssicherheit und Gesundheit. Dabei wurde deutlich: Vorteilen wie etwa der Personalisierung von Arbeitsplätzen oder erhöhte Sicherheitsanforderungen verlässlich zu erfüllen, stehen eine Reihe möglicherweise negativer Faktoren gegenüber. So sollte sichergestellt werden, die soziale Interaktion unter Kollegen oder Kreativität nicht einzuschränken und insbesondere ältere Menschen auf dem Weg der zunehmenden Digitalisierung ausreichend einzubinden. Denn bauten Unternehmen bisher in der Regel auf Seniorität – das heißt, ältere Mitarbeiter erklären jüngeren Kollegen Abläufe und geben ihr Wissen weiter – dreht sich bei Fragen rund um die Bedienung neuer technischer Geräte das Blatt. Hier verfügen in der Regel jüngere Kollegen über einen Wissensvorsprung, erklärte Dr. Frank Nägele, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr.  „Der limitierende Faktor der Digitalisierung wird künftig nicht mehr die Technik, sondern werden die Mitarbeiter sein.“

Neben der Akzeptanz der Mitarbeiter wird aber auch der Aufgabenbereich eine wesentliche Rolle dabei spielen, wie stark sich die Digitalisierung durchsetzt. „Während bei standardisierten Prozessen das Potenzial groß ist, ist es in der Forschung und Entwicklung geringer. Viele Fragen sind noch offen, auf die wir als Sozialpartner – und das ist die entscheidende Stärke unserer Branche – gemeinsam die bestmöglichen Lösungen finden werden“, fasste Dr. Jochen Wilkens, Geschäftsführer VCI Nord und Hauptgeschäftsführer ChemieNord, die Veranstaltung zusammen.

 

Staatssekretär Dr. Frank Nägele testet zusammen mit Dr. Frank Schneider und Dr. Jochen Wilkens den Telepräsenzroboter.

 

Das smartLab besteht aus einzelnen wabenförmigen Modulen, die nahezu
beliebig aneinandergesetzt werden können. 

 

In den Modulen sind eine Reihe an Technologien integriert. Dieses Foto zeigt einen Kühlschrank mit verschiedenen Proben.

 

Natürlich ebenfalls Teil der Grundausstattung: eine Heizplatte mit Magnetrührer ...

 

 

... und eine Waage.

 

 

 

 

Prof. Dr. Thomas H. Scheper von der Universität Hannover, demonstriert, wie mithilfe des Telepräsenzroboters auch
die Kommunikation mit anderen Standorten vereinfacht werden kann.